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Die Technik und Der Volksfeind

Die Berliner Schaubühne gastiert mit Ibsens Ein Volksfeind in China. In mehr als 30 Ländern wurde die Inszenierung bereits gezeigt. Nach den ersten drei Vorstellungen in Peking wird das Gastspiel abgebrochen. Offiziell werden dafür technische Gründe genannt. Was heißt das? Die Scheinwerfer sind kaputt, die Bühnentechnik defekt, der Vorhang steckt fest, die Funkfrequenzen sind knapp?

In Ibsens Stück aus dem Jahr 1882 geht es um die Manipulierbarkeit der öffentlichen Meinung, um die Frage, was ist Wahrheit und Überzeugung. In Ostermeiers Inszenierung aus dem Jahr 2012 treten die Schauspieler am Ende der Vorstellung in einen Dialog mit dem Publikum ein. Damit holen Sie das Thema in die Gegenwart, in die Erlebniswelt der Zuschauer. Auch bei der ersten Vorstellung in Peking hat das gut funktioniert, so Tobias Veit, Direktor der Schaubühne, in einem Interview mit dem D-Radio-Kulturmagazin Fazit. Allerdings waren einige Plätze im Zuschauerraum leer geblieben, obwohl die Vorstellung angeblich offiziell ausverkauft war. Die nächsten zwei Vorstellungen des Gastspiels fanden nur mit Änderungen an der Inszenierung statt, der Dialog mit dem Publikum wurde auf Wunsch des Veranstalters .gestrichen. Doch nun wurden alle weiteren geplanten Vorstellungen abgesagt. Aus technischen Gründen. Mit dem Inhalt oder Regiekonzeption hat das natürlich nichts zu tun.

Wie gut dass die Theatertechnik wieder einmal als Sündenbock herhalten kann.

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