EINÜBUNG IN ZIVILGESELLSCHAFT

Pressemitteilung
EINÜBUNG IN ZIVILGESELLSCHAFT
Aktion „40.000 Theatermitarbeiter*innen treffen ihre Abgeordneten“ bundesweit angelaufen
Von Aachen bis Zittau, von Konstanz bis Kiel, von Weimar bis Wilhelmshaven, von Münster bis München – bundesweit finden seit Montag Treffen zwischen Theatermitarbeiter*innen und ihren Abgeordneten statt. Idee dieser (gemeinsam von konferenz konkret, ensemble-netzwerk, Dramaturgischer Gesellschaft und dem Bund der Szenografen entwickelten sowie von der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins und der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft unterstützten) Aktion ist es, die Theater als Diskursräume der Öffentlichkeit und als unverzichtbare Institutionen der demokratischen Gesellschaft ins Bewusstsein der Politiker*innen (zurück) zu holen sowie die Bedingungen, unter denen Theater gemacht wird, zu vermitteln.

„Dies ist eine Einübung in Zivilgesellschaft. Demokratie heißt: Miteinander reden. Und das ist leicht: Mehr als eine Bitte um einen Termin braucht es nicht, unsere Volksvertreter*innen sind für jede*n ansprechbar. Es gibt im Rahmen dieser Aktion Gespräche auf allen Ebenen der politischen Vertretung, von der Stadträtin über die Abgeordnete bis hin zum Landes- und Bundesminister“, meint Harald Wolff von der Dramaturgischen Gesellschaft, einer der beiden Initiatoren dieser Aktion.

Und die Gespräche sind offenbar dringend nötig: Viele Abgeordnete waren überrascht von den Arbeitsbedingungen an Theatern. So plädierte MdB Sören Bartol (SPD) aus Marburg für die Anhebung der Anfängergage für Solist*innen, während Kurt Bernhardt und Ute Goronczy (Die Grünen/Oldenburg) die ungleiche Bezahlung der verschiedenen Berufsgruppen am Theater sowie die Arbeitszeitregelungen für Künstler*innen kritisierten.
Dem Theater und seinen Strukturen wurde dabei allerorten viel Interesse entgegengebracht, wie etwa von der Dritten Erlanger Bürgermeisterin Dr. Elisabeth Preuß (FDP). Politiker*innen quer durch die Republik betonen „die große gesellschaftliche Bedeutung des Theaters für ihre Städte“, so z.B. die Landtagsabgeordnete Juliane Pfeil-Zabel von der SPD in Plauen-Zwickau, und sprachen sich wie Herrmann Gröhe (Bundesgesundheitsminister, CDU Neuss) für die Erhaltung unserer Theaterlandschaft aus.
Dass Bund und Länder gefordert sind, die Kommunen finanziell bei der Kulturförderung zu unterstützten, war ein wichtiges Gesprächsthema. Die Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages, Dr. Gabriele Andretta (SPD), hat sich bspw. für eine dauerhafte Erhöhung der Landesförderung für die kommunalen Theater ausgesprochen und dabei die positiven Folgen auch für die Freie Szene betont: „Ein stärkeres Engagement des Landes für die kommunalen Theater könnte finanzielle Spielräume für andere lokale Kulturprojekte eröffnen“, glaubt die Abgeordnete.
Folgetreffen sind verschiedentlich bereits verabredet, so plant etwa die Marburger Linke einen Fraktionsausflug ins Theater. Langfristigen Erfolg versprechen auch regelmäßige Treffen, die in verschiedenen Städten verabredet wurden. Namentlich die Gründung eines Forums für Darstellende Künstler*innen durch die kulturpolitische Sprecherin der bayerischen Landtagsfraktion der SPD Isabell Zacharias sei hier genannt.
Gregor Sturm vom Bund der Szenografen und Mitinitiator der Aktion zieht folgendes vorläufiges Fazit:

„Ich bin bewegt, sogar überwältigt, wie viele Theaterschaffende, darunter Spieler*innen, Assistenten*innen und Techniker*innen, aber auch freischaffende darstellende Künstler*innen und Studierende sich an dieser dezentral organisierten Aktion beteiligen und damit wahrhaftig etwas verändern. So, wie jede einzelne Stimme wichtig und unverzichtbar ist um den perfekten Klang zu erreichen, sind es die einzelnen Künstler*innen, die das politische Bewusstsein ändern und damit den Wandel herbeiführen.“

Die Aktion „40.000 Theatermitarbeiter*innen treffen ihre Abgeordneten“ läuft deutschlandweit noch bis in den November hinein.
Die Dramaturgische Gesellschaft (dg) vereint rund 700 Theatermacher*innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Sie versteht sich als offene Plattform für den Austausch über die künstlerische Arbeit, die Weiterentwicklung von Ästhetiken, Produktionsweisen und nicht zuletzt über die gesellschaftliche Funktion des Theaters.
Der Bund der Szenografen ist ein Berufsverband dessen Mitglieder Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildner*innen für Theater, Szenen- und Kostümbildner*innen für Film, Fernsehen und Video, Puppengestalter*innen und Puppentheateraustatter*innen, sowie Videokünstler und Lichtdesigner für Theater sind.
Das ensemble-netzwerk ist eine Bewegung, die den Menschen am Theater zu mehr Mündigkeit, Mut, Rückgrat und Inspiration verhelfen will.