Erste Hilfe für die Kultur


Wer Freunde oder Kollegen in einem Theater besucht, der landet früher oder später in der Kantine. Eine Theaterkantine ist ein Marktplatz, auf dem Nachrichten, Gerüchte, Befindlichkeiten und vieles mehr großzügig gehandelt werden. Nicht selten stehen dort Geschichten über Überbelastung, Frustration, Neid und andere beschwerliche Dinge hoch im Kurs. Nach einer Stunde hat man so viel über Stress und Erschöpfung gehört, dass man sich fragt, wie man es überhaupt im Theater aushalten kann.
Psychische Belastungen im Theater und Kulturbereich sind an der Tagesordnung. Genau hier setzt Christina Barandun mit ihrem Buch Erste Hilfe für die Künstlerseele an. Während auf der Bühne hohe humanistische Ziele verkündet werden, steht es im Schatten der Hintebühne damit nicht immer zum Besten. Kommunikationsstrukturen, die Frustrationen auslösen, gehören zum Alltag im Theater. Doch was soll man tun?
Augen auf, bei der Berufswahl?
Neben vielen nützlichen und grundsätzlichen Beschreibungen bietet Barandun in ihrem Buch – und das ist eine seiner größten Stärken – zahlreiche konkrete und praktische Tipps sowohl für jeden Einzelnen als auch für den Teamleiter bis hin zum Direktor an. Gleichzeitig scheut sie nicht davor zurück, die aktuelle Situation im Theaterbetrieb ungeschminkt und ungeschönt zu konstatieren.

In Sachen Personalführung sind die Theater gegenüber der Wirtschaft und Industrie mindestens 20 Jahre im Rückstand.

Moderne Kommunikationsstrukturen, Wertschätzung, alternative Modelle der Personalentwicklung stecken bestenfalls in den Kinderschuhen. Es herrschen meist streng hierarchische Strukturen vor, die zur täglichen Frustration beitragen. Alles oftmals mit dem Primat der Freiheit der Kunst begründet.
Doch das muss nicht so sein. Barandun zeigt auf, wie mit vielen einfachen, konkreten und gleichzeitig folgenreichen Methoden, jeder Einzelne dazu beitragen kann, die Situation entscheidend zu verändern und zu verbessern. Insofern kann dieses Buch empfohlen werden, auch und besonders Mitarbeitern im technischen Bereich des Theaters, auch wenn der Titel das leider so nicht ankündigt. Zudem ist der Text humor- und liebevoll geschrieben. Christina Barandun zeigt eine hohe Sachkenntnis des Theater-Betriebes und offenbart gleichzeitig ihre große Liebe dazu. Das ist Motivation genug, etwas an dem Umgang miteinander zu ändern, denn es ist möglich.

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