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Europäischer Theaterpreis

Wer Preise verleiht, will Gutes tun. Das ist schön, aber nicht immer klappt das auch. So viele Preise wie es derzeit allein im Kulturbereich gibt, können nicht alle Ausdruck eines Gutmenschentums sein, sonst müssten die Künstler im siebten Himmel wohnen. Da schleicht sich hin und wieder der Verdacht ein, der oder diejenigen, die einen Preis ausloben, wollten gerne selbst im Rampenlicht glänzen. Gelegentlich sind es auch die, die das Preisgeld bereitstellen. Und manchmal sind es ein- und diesselben Personen.

1987 hatte die Europäische Kommission die Idee, einen Theaterpreis auszuloben. Erste Preisträgerin war Ariane Mnouchkine und ihr Theatre de Soleil.
1990 gesellte sich ein weiterer Preis mit der sperrigen Formulierung: Europäischer Theaterpreis für Neue Realitäten hinzu, der heute meist nur noch Innovationspreis genannt wird.
Wo es Preise gibt, das sind auch Neid, Verärgerung, Eitelkeit und Anbiederung nicht weit. 2007 sollten sich Robert Lepage und Peter Zadek den Preis teilen, worauf hin Zadek der Preisverleihung fern blieb und die Jury ihm den Preis wiederum daraufhin kurzum aberkannte.
Eine Besonderheit ist auch, das nur der Innovationspreis durch eine Jury vergeben wird. Den eigentlichen Hauptpreisträger bestimmt derjenige, der das Preisgeld bezahlt. „Kauf Dir einen Preisträger!“, könnte man ausrufen.

Vom 15. bis 17. November 2018 fand das Europäische Kulturforum in St. Petersburg statt. Der russische Präsident Putin hielt eine Rede.
Und der Europäische Theaterpreis sowie der Innovationspreis wurden verliehen.
Letzerer wurde an Milo Rau (Theater Gent) und Jan Klata (Stary Teatr Krakow) verliehen. Rau sollte kein Visum erhalten, da er es sich mit der Aufführung der Moskauer Prozesse dereinst mit der Regierung verscherzte. Und dann bekam er es doch, aber natürlich so spät, dass die Reise nicht zustande kam.
Komplikationslos dagegen verlief die Preisverleihung des Hauptpreises. Er ging an den langjährigen Intendanten des St.Petersburger Aleksandrinskij Theaters Valery Fokin.

Ein der wichtigsten russischen Theaterkritikerinnen, Marina Davidova, kommentiert dies so:
„Es gibt wirklich eine große Nähe Fokins zur politischen Elite, sowohl hier in St. Petersburg als auch zum Kreml. Und es gibt eine Nähe zu Putin. Für mich hat die Verleihung des Europäischen Theaterpreises an ihn nichts mit seinen Qualitäten als Regisseur zu tun, sondern nur mit der Tatsache, dass er ein Big Boss eines russischen Theaters ist. Hier in Russland hat man nicht verstanden, dass er den Preis nicht von einer Jury bekommen hat, sondern von russischen Offiziellen. “

Das Preisgeld in Höhe von 15.000 € hat die Stadt St. Petersburg zur Verfügung gestellt.

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