Flackerlicht – Die Kolumne: Burn-out für gar nichts

Wesko Rohde:

Wir sind so damit beschäftigt ein perfektes Leben in Sicherheit zu organisieren, dass wir für das etwas unperfekte fröhliche Leben keine Zeit mehr haben!

Statt Corona zum Trotz das Leben so erträglich wie möglich zum machen, das Theater für die Zukunft zu rüsten oder einfach ein Buch zu lesen oder endlich mehr und gezielter Sport zu machen, arbeiten wir an einem Burn-out für gar nichts. Eine skurrile Planwirtschaft sorgt für Beschäftigung.

Theater proben und proben und proben, ein Stück nach dem anderen landet im Fundus und wird sicher nie mehr aufgeführt werden. Wir werden auch Menschen nicht auffordern können, im Sinne der Häuser und der von Nöten geplagten Intendanzen zukünftig zweimal am Tag ins Theater zu gehen. Nur dann könnte man die sinnvolle derzeitige Probenzeit rechtfertigen.

Zuhause würde folgendes passieren:
Wir stehen in der Küche und kochen ein Essen nach dem anderen, um es dann wegzuwerfen und am Ende eine Butterstulle auf die Hand zu nehmen, weil wir vor Erschöpfung keinen Hunger mehr haben.

(Eine gut gemachte Butterbemme ist allerdings ein wunderbares Kunstwerk und wirklich megalecker, um auch mal etwas positiv zu enden.)

Hubert Eckart, Wesko Rohde, Bild: Ralph Bergel.

Hubert Eckart:

So sind wir eben, wir Deutschen. Zuerst machen wir einen Masterplan, den wir mit allen auch nur entfernt davon betroffenen Personen so lange diskutieren, bis keiner mehr weiß, was wie funktionieren soll und wer für was davon verantwortlich ist. Also machen wir besser nichts und dann kann auch keiner dafür haftbar gemacht werden. Wenn das keine perfekte Sicherheit ist?

Andere hinwiederum machen nichts mehr, wenn nicht zu 100% klar ist, dass auch der Rubel rollt.
Zur Absage der Stage|Set|Scenery durch die zu 100% mit öffentlichen Geldern finanzierte Messegesellschaft Berlin, schreibt der Bereichsleiter: “… da wir nicht davon ausgehen können, dass die Stage|Set|Scenery in diesem und den kommenden Jahren die notwendigen Ergebnisse erzielen wird“, so Dr. Martin Buck. Nun war zwar im kommenden Jahr gar keine Veranstaltung geplant, sondern außer 2021 erst 2023, aber absagen ist hier besser als handeln. Warum etwas wagen, wenn man dafür ein Risiko eingehen muss?

Sagt der Pessimist zum Optimist: “Schlimmer kann es nicht mehr kommen!”
Darauf antwortet der Optimist: “Doch!”

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