PODIUM

Neues BKM-Projekt

Anwendungen neuer digitaler Technologien im Theaterbereich

Kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe des DTHG-Podiums erreichte uns seitens der Stabsstelle Kommunikation, Strategische Planung und Digitalisierung in Kultur und Medien der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – kurz „von der BKM“ – eine positive Nachricht:
Der von der DTHG im Sommer 2019 gestellte Projektantrag zum Arbeitsgebiet Digitalisierung im Theater- und Veranstaltungsbereich wird bewilligt werden!
Das für den Zeitraum Oktober 2019 bis September 2021 geplante Projekt trägt den Titel

Augmented and Virtual Reality solutions for Theatre – Anwendungen neuer digitaler Technologien im
Theater- und Veranstaltungsbereich für Technik, Veranstaltungssicherheit, Architektur und Bühnenbild.

Klingt kompliziert? Ist es auch – und birgt innovative Entwicklungsmöglichkeiten zum effizienteren und kreativeren Arbeiten an Theatern und anderen Spielstätten.

Projektträger ist die DTHG Service GmbH unter der Leitung von Hubert Eckart in Zusammenarbeit mit Wesko Rohde (DTHG e. V.) sowie Franziska Ritter und Pablo Dornhege. Ritter und Dornhege hatten bereits im Frühjahr 2019 im Rahmen des Projektes „Theaterlandschaften“ (der ersten Kooperation der DTHG mit der BKM) den Workshop ­­
„Im/material Theatre Spaces“ zum Thema digitale Vermittlungsstrategien für Theaterarchitekturen und deren Umsetzung mit mehr als 20 Teilnehmern erfolgreich geleitet (Bericht siehe Projektleitfaden, zum Download verfügbar auf der DTHG-Website).

Ausgehend von der Frage, welche Potentiale digitale Technologien wie Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) in Bezug auf die Vermittlung von historischem, gegenwärtigem und zukünftigem Kulturerbe generieren können, geben die bisher entwickelten Projekte vielschichtige Antworten. VR und AR ermöglichen Perspektivwechsel: sei es das Einnehmen von „Rollen“, das Verkörpern von fremden Charakteren; oder das Reisen in andere Zeiten, ob Vergangenheit oder Zukunft; oder auch das Erreichen sonst unzugänglicher Orte und Situationen. Physikalische Gesetze und gesellschaftliche Konventionen können aufgehoben werden: Räume werden nicht nur betreten, sondern sogar durchflogen, Maßstabssprünge werden möglich, der Betrachter wird selbst zum Akteur.
Zum einen zeigen die entwickelten Projektideen, wie Artefakte aus Theatersammlungen verwendet werden können, um einen erzählerischen Zugang zur Geschichte zu eröffnen.
Zum anderen wurden Lösungsansätze für den Einsatz von VR und AR als Werkzeuge für Gestaltung und Kommunikation entwickelt. So können beide Technologien die kollaborative Planung und Durchführung von Arbeitsprozessen unterstützen, herausfordernde Sanierungsprozesse von Theatern begleiten und transparente Diskussionsräume eröffnen.

Bei allen Projekten spielt die Schnittstelle zwischen physischer und virtueller Realität eine zentrale Rolle. Die AR/VR- Erfahrungen wurden auf unterschiedliche Weise in einen räumlichen Kontext eingebettet und verankert.
Die Prototypen, Ergebnisse und Erkenntnisse aus diesen Workshops wurden sowohl mit Theatern und Archiven, auf internationalen Konferenzen präsentiert und getestet (u.a. Quadriennale Prag, Stage|Set|Scenery-Konferenz Berlin) als auch mit Experten und einer interessierten Öffentlichkeit diskutiert. Die vielfältigen Diskurse und dabei neu entwickelten Fragestellungen zeigen, wie wichtig die Erforschung dieses Themas für die Theaterlandschaft ist.
Bis 2021 wird das Projekt mit erneuter Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) fortgeführt. Die bisherigen Erkenntnisse werden in neun Teilprojekten untersucht, nachhaltig übertragbare Musterlösungen für Technik, Veranstaltungssicherheit, Architektur und Bühnenbild erarbeitet. Ziel ist ein Erkenntnistransfer für und mit Kultureinrichtungen in Deutschland sowie eine Bündelung und Vernetzung der Akteure aus Theater, Industrie und Forschung.

Schon während der Projektlaufzeit werden auf der BTT, der Stage|Set|Scenery und weiteren Fachmessen und -veranstaltungen Einblicke in Zwischenergebnisse des Projektes gegeben. Wir freuen uns auf zwei spannende Projektjahre und werden Sie auf dem Laufenden halten!

Hubert Eckart und Juliane Schmidt-Sodingen

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