Nun doch: deutscher Beitrag zur PQ 2019

Im Juli 2018 verkündeten das Internationale Theaterinstitut Deutschland und der Bund der Szenografen, dass es 2019 keinen deutschen Beitrag auf der Prager Quadriennale geben werde, da das Auswärtige Amt die finanzielle Förderung abgelehnt hatte. Doch nun kommt alles anders.

Der deutsche Beitrag zur diesjährigen Prager Quadriennale wird vom 05. – 16. Juni die Arbeit und Wirkung des Künstlers, Bühnen-und Kostümbildners Bert Neumann würdigen. Der Beitrag unter dem Titel SERVICE/ NO SERVICE (nach René Pollesch) wird von Lenore Blievernicht und Christiane Kues aus dem Nachlass der gemeinnützigen Bert Neumann Association kuratiert. Der 2015 verstorbene Künstler ist unter anderem besonders für seine Arbeiten an der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz, Berlin, bekannt.

Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, sagte dazu in Berlin:

„Die Prager Quadriennale hat eine große Tradition. Deshalb freut es mich sehr, dass es gelungen ist, die Finanzierung des deutschen Beitrags in einer gemeinsamen Kraftanstrengung des Auswärtigen Amts, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Goethe-Instituts, des Landes Berlin und des Deutschen Bühnenvereins zu sichern. 30 Jahre nachdem Tausende Bürgerinnen und Bürger der DDR Zuflucht in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag fanden, senden wir damit auch ein Signal der Dankbarkeit!“

Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters:

„Mit Bert Neumann ehren wir einen der wichtigsten und innovativsten Bühnenbildner und Raumkünstler des deutschen Theaters. In der Ära Frank Castorf war er der stilprägende Bühnenbildner der Berliner Volksbühne, hat aber auch weit über Berlin hinaus als erster Raumkünstler das gesamte Theaterschaffen im deutschsprachigen Raum beeinflusst. Mit seinen stets außergewöhnlichen Bühnen-Kunstwerken gelang es ihm, die Realität in immer überraschender Weise auf die Bühne zu bringen. Es ist ein schöner Erfolg, dass es mit unserer Unterstützung gelungen ist, auf der international bedeutendsten Plattform für Szenografie die erste Werkschau dieses Ausnahmekünstlers zu ermöglichen.“

Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa Berlin:

„Die Präsentation der unvergleichlichen und stilprägenden Arbeit Bert Neumanns auf der internationalen Plattform für Bühnenbild und Performance Design beleuchtet zum einen die essentielle Leistung der Szenografie für das Theater im allgemeinen und würdigt den großen Bühnenbildner, der zusammen mit Frank Castorf eine Ära geprägt hat.“

Das Internationale Theaterinstitut ist Produzent des Projekts und kooperiert mit dem Bund der Szenografen. Weiterer Projektpartner ist die Hochschule für Bildende Künste Dresden. Hier entsteht unter der Leitung von Prof. Kattrin Michel der deutsche Beitrag in der Studentensektion der PQ.

Auf einem Treffen am 4. Dezember 2018 mit Vertretern des Auswärtigen Amtes, der BKM (Beauftragte für Kultur und Medien), des Berliner Senats, des Goethe-Institutes, des Bundes der Szenografen und des ITI wurden Möglichkeiten einer gemeinsamen finanziellen Förderung ausgelotet. Nun stellen das AA und das Goethe-Institut mit 100.000 Euro sowie die BKM und der Berliner Senat jeweils mit 50.000 Euro die Finanzierung bereit. Auch der Deutsche Bühnenverein ist mit 5.000 Euro beteiligt. Das ITI hat die Produktion des deutschen Beitrags übernommen. Die ursprüngliche Kalkulation der Antragsteller sah eine Förderung in Höhe von 250.000 Euro vor.
Die Prager Quadriennale für Szenografie und Theaterraum steht unter dem Motto „Gemeinsamer Raum: Musik Wetter Politik“ und findet vom 18. bis 28. Juni 2019 statt. Sowohl Fachleute als auch Studierende und andere Interessenten können teilnehmen.

Die Prager Quadriennale für Szenografie und Theaterraum ist die weltgrößte Veranstaltung, die sich mit dem Bereich Szenografie in seiner ganzen Breite beschäftigt – von Darstellender Kunst, über Kostüm-, Licht- und Sound-Design bis zu neuen szenografischen Konzepten wie der ortsbezogenen Inszenierung, angewandter Szenografie, Straßentheaterprojekten oder Kostüm als Performance. Der Kern dieser internationalen Veranstaltung ist eine Ausstellung von Künstlern aus mehr als 60 Länder, die in Wettbewerbssektionen eingeteilt wird.
Das Zentrum Bundesrepublik Deutschland des Internationalen Theaterinstituts hatte in Zusammenarbeit mit dem Bund der Szenografen und im Kontext dieses Mottos die konzeptionellen Umrisse für einen deutschen Beitrag zur Prager Quadriennale 2019 erarbeitet.

 

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