Offener Brief eines Firmenmitglieds an die Messe Berlin

Sehr geehrter Herr Dr. Lederer,
Liebe Messe Berlin,

die Nachricht trifft uns als Teil der Kulturbranche unerwartet und hart. Schon nach zwei Veranstaltungen, der von der Messe Berlin unter neuem Namen mit großem Enthusiasmus übernommenen SHOWTECH attestiert man: „Trotz positiver Entwicklung ist die Veranstaltung leider hinter den Erwartungen zurückgeblieben.“ Wir bringen der Messe Berlin also zu wenig Profit…
Dazu kommt diese Absage zur Unzeit – es ist nicht nur ein Schlag, sondern eher noch ein kräftiges Nachtreten gegen die, nach einem Jahr Corona Schliessungen mittlerweile völlig entkräftet am Boden liegende Kulturbranche. Deutlicher kann man Geringschätzung nicht mehr zum Ausdruck bringen. Die völlig einfallslosen Zwangsschliessungen der Bundespolitik tun ein Übriges. Die Messe Berlin ist sicher ein eigenständiges Unternehmen und darf tun und vor allem lassen was sie will – allerdings ist die Messe Berlin dennoch ein Aushängeschild für Berlin und sicher auch ein gewisser Wirtschaftsfaktor. Es geht hier jedoch nicht nur um Geld sondern um die im Herzen getroffene Kultur.
Berlin und Kultur waren für mich bisher untrennbar miteinander verbunden. Die Stadt hat die meisten Theater, die größten Bühnen, die meisten Film- und Fernsehproduktionsfirmen und die dazu gehörenden Ausbildungszweige an den Berliner Hoch- und Schauspielschulen. Die SHOWTECH, später Stage Set Scenery hat genau die Branchen und Kulturschaffenden in ihrer Stadt zusammen gebracht. Die Messe war ‚Die Institution‘ der Branche. Wir sind auch als Firma von Anfang an jedes mal dabei gewesen. Die Messe war natürlich nicht so groß, wie eine CBit oder IFA, aber die bedien(t)en zu 90% auch nur „Laufkundschaft“, zwar mit mehr Besuchern – dagegen war bei uns das zahlenmäßig geringere Publikum durchweg hochkarätig. Es trafen sich immer die Fachplaner, die Unternehmen vom Branchenriesen bis zum kleinen Kostümschneider mit den Vertretern der bedeutendsten Kulturbetriebe aus Deutschland, Mittel- und Osteuropa bis hin zu Asien. Praktisch jeder technische Direktor/Mitarbeiter eines Theaters/Opernhauses ist schon als Student der Beuth Hochschule über unseren Messestand gelaufen…
Kultur sollte nicht profitgetrieben sein – auch wir als Unternehmen stellen den Profit nicht an die erste Stelle. Selbstverständlich ist ein neuer Bühnenboden für die Semperoper, den Friedrichstadtpalast oder die Staatsoper Berlin deutlich lukrativer als ein kleines Projekte wie das BKA Theater, irgend eine Schulaula oder Hallervordens Schlosstheater. Trotzdem bedienen wir alle mit der gleichen Leidenschaft, der selben hohen Qualität und nicht zuletzt mit unserer Liebe zum Detail. Die bloße Profitgier hat in Deutschland schon genug Schaden angerichtet; den Einzelhandel ausgedünnt und ganze Industriezweige vernichtet, geht das jetzt mit der Messe Berlin gerade so weiter?

Gruß
Kai-Uwe Patz
Geschäftsführung
Bühnenbau Wertheim GmbH

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