PODIUM

Philipp Olbeter ✝︎

Es sind die Lebenden,
die den Toten die Augen schließen.
Es sind die Toten,
die den Lebenden die Augen öffnen.

….mein lieber Freund, so titulierte er meist den Beginn unserer Gespräche, egal ob am Telefon, im Zwiegespräch oder in einer kollegialen Runde. Lange war ich mir nicht sicher, was er damit wirklich sagen wollte. Eines Tages wurde mir aber klar, dass hinter dem scheinbar kantigen, harten Knochen – ein ganz weicher, wunderbar empfindsamer Kern steckte. Ich hatte immer großen Respekt vor seinem Schaffen, und ihn auch beneidet, dass es ihm gelungen ist, ein so wunderbares Werk wie den Neubau des Linzer Musiktheaters auszuführen – bei alledem auch noch pünktlich fertig zu werden und im Kostenrahmen zu bleiben, anschließend das Gebäude zu übernehmen und zu betreiben. Wir kamen uns nahe und führten oft stundenlage und intensive Gespräche bei gegenseitigen Besuchen in „unseren“ Häusern und auch beim beim Heurigen in der Sonne sitzend und lachend und auch manchmal verzweifelnd über den Gang der Dinge – aber immer mit zuversichtlichen und mutigen Gedanken, dass all das, was wir noch vorhaben, gut gelingen wird.

… mein lieber Freund, ich werde Dich vermissen, du fehlst mir schon jetzt!

Hans-Joachim Rau
Im Namen des Vorstands der
Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft

1954 geboren in Hannover, nach der Tischlerlehre verbrachte er seine Lehr- und Wanderjahre u.a. an der Staatsoper Stuttgart und am Stadttheater Würzburg. 1981 bestand er in München, als damals Jüngster und gleichzeitig Bester, die Prüfung zum Bühnenmeister. Vom damaligen Technischen Direktor der Bayreuther Festspiele, Walter Huneke, wurde er für die Festspiele 1982 und in weiterer Folge auch für 1983 und 1984 engagiert. Er wirkte mit an der Jubiläums-Produktion „100 Jahre Parsifal“ (Regie: Götz Friedrich, Dirigent: James Levine). Die Tätigkeit in Bayreuth hat seine Einstellung zur Arbeit auf der Bühne am nachhaltigsten geprägt, sagte Philipp.

Nach zwei Jahren als Bühnenmeister und stellvertretender Technischer Leiter am Stadttheater Würzburg lernte er Klaus Schultz, den Generalintendanten des Stadttheaters Aachen, kennen. Dieser verpflichtete ihn als Bühnenmeister, stellvertretenden Ausstattungsleiter und auch als Bühnenbildner. Nach neuen Herausforderungen suchend, war er dann von 1987 bis 1995 als Technischer Leiter und Leiter der Ausstattung an der Landesbühne Rheinland-Pfalz, am Kleinen Theater in Bonn-Bad Godesberg, sowie am Theater der Stadt Trier tätig. Nach einer Tätigkeit als Gastdozent für Theatertechnik an der University of Delaware führte ihn sein Berufsweg nach Österreich, wo er im August 1995 die Funktion des Technischen Leiters des Landestheaters Linz übernahm und bis zu seinem Ruhestand 2017 wirkte.

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