Pressemitteilung des Bund der Szenografen e.V. zum Versagen der deutschen Kulturpolitik im Fall der Prager Quadriennale 2015

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Berlin, den 09. März 2015
 
Liebe Theaterkollegen,sehr geehrte Damen und Herren,
wir glauben nicht, dass der deutschen Kulturpolitik die Arbeit von Theaterkünstlern egal ist – wir wissen es!
Anfang 2014 erfuhr der Bund der Szenografen e.V. zufällig, dass Deutschland nicht bei der renommierten Weltausstellung für Bühnen- und Kostümbild, der Prager Quadriennale als Kurator in 2015 vertreten sein wird.
Traditionell wurde die Deutsche Teilnahme an der PQ vom ITI (Internationales Theaterinstitut, Berlin) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bühnenverein und der DTHG (Deutsche Theatertechnische Gesellschaft) organisiert. Für die kommende Quadriennale 2015 standen diese Institutionen aber nicht mehr zur Verfügung. Das lag einerseits an der Umstrukturierung und Neuausrichtung der PQ selbst, aber ganz entscheidend auch am Ausbleiben der politischen Unterstützung. Denn seit der Übertragung der Zuständigkeit für die PQ vom Auswärtigen Amt an das Ministerium für Kultur und Medien durch die Rot-Grüne Koalition 1999, ist der Wille einer Beteiligung Deutschlands bei der PQ immanent in Frage gestellt. Wie wir nun wissen, ist er nicht mehr vorhanden.
Der Bund der Szenografen e.V. hat die klammheimliche Abschaffung der PQ als Herabwürdigung unseres Berufsstandes angesehen und deshalb im Februar 2014 einen ‚Runden Tisch’ in der Akademie der Künste organisiert, zu dem wichtige Vertreter von Politik und Verbänden geladen waren, wie Norbert Niclauss (Ministerium Kultur und Medien – BKM), Rolf Bolwin (Deutscher Bühnenverein) Dr. Petra Kohse (Akademie der Künste), DR. Engel vom (ITI), Hubert Eckart (DTHG), Karin Winkelsesser (Bühnentechnische Rundschau). Gemeinsam wurden Möglichkeiten diskutiert, wie eine Beteiligung Deutschlands doch noch stattfinden könnte. Obwohl schon damals deutlich wurde, dass der Vertreter der Politik, die Verantwortung bei den Verbänden sieht und die Verbände die Verantwortung bei der Politik, wurde allgemein eine Teilnahme Deutschlands als wünschenswert und positiv betrachtet.
Der Bund der Szenografen e.V. (BdS) war naiv genug zu glauben, dass, wenn wir vom BdS diesen (bezahlten) Leuten in Amt und Würden schon die ganze (für uns ehrenamtliche) Arbeit abnehmen, sie dann bereit wären, das Projekt finanziell zu unterstützen. Deshalb bewarben wir uns als Kurator für den deutschen Beitrag. Eine intensive Planungsphase begann, in die der Bund der BdS sämtlichen Institutionen (Dr. Engel ITI, Jakob Racek Goetheinstitut), Politik (Thomas Motak Deutsche Botschaft in Prag, BKM, AA) und Verbände (Hubert Eckart DTHG, Rolf Bolwin Deutscher Bühnenverein) einbezog. Sie alle sprachen sich grundsätzlich für eine Teilnahme Deutschlands an der PQ aus, Sie alle werteten auch unser Ausstellungskonzept positiv, dass darauf abzielt, die Vielfalt der deutschen Theaterlandschaft und den Reichtum an Bilderwelten, die von Bühnen- und Kostümbildner gestaltet werden, in einer Gruppenskulptur, der Cloud, darzustellen.
Nun, im Februar 2015 müssen wir leider feststellen, dass weder das Auswärtigen Amt, noch Frau Staatsministerin Prof. Grütters vom Ministerium für Kultur und Medien, noch die deutsche Botschaft in Prag, noch das Goetheinstitut in Prag gewillt sind, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Mit dem Resultat, dass sich die Verbände im Stich gelassen fühlen und sich zurückziehen, bis auf die DTHG (Deutsche Theatertechnische Gesellschaft). Verlierer in dem Schwarzer-Peter-Spiel sind die Bühnen- und Kostümbildner! Und das ist ein Skandal! Denn die Resonanz auf unsere Ausschreibung war sehr erfolgreich: 168 Bühnen- und Kostümbildner haben 1300 Arbeiten eingereicht! So viele Künstler waren noch nie in Prag vertreten – und sie werden es auch nie werden! Denn der einzige Partner, den der Bund der Szenografen e.V. zurzeit hat, ist die DTHG. Der BdS hat das Konzept bereits auf ein Minimum abgespeckt, um Ausgaben zu reduzieren. Schlussendlich hätten wir mit der lächerlichen Summe von 20.000,- Euro das Projekt stemmen können. Die Hälfte ist vorhanden, es scheitert nun an 10.000,- Euro!
Und deshalb wird es zu der absurden, sehr Kafkaesken Situation kommen, dass zwar die Künstler ihre Arbeiten eingereicht haben, aus der eine Skulptur für die Stage/Set/Scenery angefertigt werden wird, diese Skulptur dann aber nicht in Prag im Kafkahaus zu sehen sein wird, da Deutschland es sich nicht leisten kann Transport, Fahrt- und Übernachtungskosten für die personelle Betreuung vor Ort zu zahlen!
Nachdem der Bund der Szenografen e.V. die Erhöhung der Umsatzbesteuerung von 7% auf 19% abwenden konnte, erlebt unser Berufsstand mit dem PQ-Desaster erneut eine Herabwürdigung und dass, obwohl Bühnen- und Kostümbild made in Germany weltweit bewundert wird und internationale Anerkennung genießt! Vom 18. – 28. Juni 2015 werden ca. 50.000 Besucher die Weltausstellung des Bühnen- und Kostümbildes, die Prager Quadriennale besuchen, an der insgesamt 60 Länder Teilnehmen – pardon 59 Länder – Deutschland ist ja nicht dabei. Diese Nichtteilnahme Deutschlands an der PQ ist symptomatisch für das Ausbluten der deutschen Theaterlandschaft!
Mit freundlichen Grüßen,
– Der Vorstand –
Anja Ackermann, Andreas Auerbach, Annabel von Berlichingen, Kathrin Brose, Anna Eiermann, Sonja Kloevekorn, Jakob Knapp, Till Kuhnert, Alfred Peter, Andrea Riedel, Annette Riedel und Stefan Morgenstern.
 

Die 168 Künstler sind:

Anja Ackermann Silvia Albarella Maria Elena Amos Andreas Auerbach Michaela Barth Barbara Blaschke Michael Böhler Jutta Bornemann Katrin Brack Kathrin Brose Katrin Busching Annabel von Berlichingen Jorge Caro Francesca Ciola Wolfgang Clausnitzer Janine Cleemen Johanna Deffner Jana Denhoven Eva Dessecker Lorena Diaz Stephens Stephan Dietrich Leonie Droste Barbara Ehnes Katrin Ehrhardt Anna Eiermann Frank Fellmann Frank Fierke Jana Findeklee Gabriele Frauendorf Anita Fuchs Corinna Gassauer Lena Gätjens Maren Geers Leonie Geiser Mai Gogishvili Fabian Gold Svenja Göttler Michael Graessner Sascha Gross Konstanze Grotkopp Uta Gruber-Ballehr Klaus Grünberg Inken Gusner Mona Hapke Uta Heiseke Amelie Hensel Sammy van den Heuvel Azizah Hocke Katrin Hoffmann David Hohmann Marianne Hollenstein Hyun Hur Christine Jacob Jorge Jara Kerstin Junge Eberhard Keienburg Marcel Keller Jürgen Kirner Tina Kitzing Alexa Klett Maria Henni Klimek Sonja Kloevekorn Jakob Knapp Alissa Kolbusch Dietlind Konold Petra Korink Oliver Kostecka Robert Kraatz Halina Kratochwil Tobias Kreft Katharina Kromminga Ulrike Kunze Dimana Lateva Gesine Lenz Juan León Tanja Liebermann Sandra Linde Matthias Lippert Karola Lüttringhaus Valerie Lutz Sabine Maria Mader Silvia Maradea Jessica Marquardt Alexander Martynow Kathi Maurer Friederike Meese Christopher Melching Markus Meyer Anja Mikolajetz Berit Mohr Stefan Morgenstern Marlit Mosler Silvie Naunheim Matthias Nebel Jan Hendrik Neidert Heike Neugebauer Dorothee Neuling Bri Newesely Margret Nisch Anke Niethammer Lukas Noll Stefan Oppenländer Ayse Gülsüm Özel Florian Parbs Alfred Peter Sandra Pfeil Judith Philipp Julia Rautenhaus Nicola Reichert Ekhard Reschat Andrea Riedel Annette Riedel Isabel Robson Angela Röhl Benita Roth Marie Roth Trixy Royeck Matthias Rümmler Susanne Ruppert Ariane Salzbrunn Anne Schaper-Jesussek Hendrik Scheel Dorothee Scheiffarth Frank Phillipp Schlössmann Lena Schmid Katharina Jutta Schmidt Sophia Schneider Robert Schrag Jörg Schuchardt Alexander H.Schulz Heike Schuppelius Anna Siegrot Ansgar Silies Tilo Staudte Marina Stefan Matthias Strahm Susanne Suhr Natascha von Steiger Ana Tasic Joki Tewes Heiko Thurm TU Berlin Lisa Überbacher Christin Vahl Mireia Vila Soriano Gesine Völlm Heike Vollmer Christine Wächter Tanja Wackwitz Bettina Walther Volker Walther Sylvia Wanke Angelika Wedde Moritz Weißkopf Viola Weltgen Grit Wendicke Pia Wessels Katja Wetzel Stefan Wiel Magdalena Wiesauer Hans Winkler Petra Maria Wirth Kathrin Wittig Isolde Wittke Steffi Wurster Johannes Zacher Beate Zoff Jörg Zysik