Sanierungsstau konkret


Ein beredtes Zeugnis des allgegenwärtigen Sanierungsstaus an den deutschen Theatern gibt der Intendant des Berliner Ensembles Oliver Reese in einem Interview in der NZZ:
Oliver Reese:
> . . . flapsig gesagt, eine Bruchbude! Wie schlecht der Zustand des Hauses, wie gewaltig der Sanierungsstau war, habe ich mir selber nicht vorstellen können: Computer von 1999, nur eine einzige Probebühne, keine ausgestattete zweite Spielstätte, eine baufällige Kantine, in der seit 18 Jahren die Küchengeräte nicht überholt wurden….Nachdem wir neunzig Computer gekauft und den Hauptserver erneuert hatten, hat es einen grossen Crash gegeben, und wir mussten feststellen, dass wir auch noch alle Leitungen erneuern mussten, weil das System so alt war. Wir haben in den ersten Wochen von Büro zu Büro gerufen, wir hatten eine marode Telefonanlage, keine Anrufbeantworter, die Video-Ausstattung war katastrophal…
Dem Leser werden Ausführungen über die Haustechnik und den Brandschutz erspart. Insbesondere die Theaterbauten aus der Zeit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert sind dringend sanierungsbedürftig. Die historische Architektur ist dabei selten geeignet, modernen Anforderungen an Theater- und Haustechnik aufzunehmen.
Wesko Rohde, Vorsitzender der DTHG:
> Die Theaterbauten benötigen Innovation und Öffnung, kulturell wie politisch. Die Planer und Architekten müssen die Möglichkeit erhalten diese besonderen Bauwerke der letzten Jahrhunderte unter neuen Gesichtspunkten zu betrachten, die möglicherweise mit einer Nachkriegsbauordnung und allgemeinen Normungen nicht hinreichend beschrieben werden können. Eine neue Herangehensweise ist für die einmalige Weltkulturerbelandschaft der Theater notwendig, will man die Häuser in ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung erhalten.