Umsatzsteuerbefreiung nur für Regisseure und Choerografen?


 
 
Am 4. Mai 2011 hat der Bundesfinanzhof geurteilt, dass ein selbstständig tätiger Regisseur seine Arbeiten umsatzsteuerlich mit dem Regelsteuersatz in Höhe von aktuell 19 Prozent zu versteuern habe.
 
Dieses Urteil löste viel Empörung und Protest aus. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin:

„Im Augenblick ist es so, wenngleich man jetzt beginnt, sich natürlich die Frage zu stellen, wie man die Entscheidung des Bundesfinanzhofes, der ja gesagt hat, dass die Regisseure 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen müssen, wie man jetzt damit umgeht. Bevor es diese Entscheidung gab, war es jedenfalls ein großer Flickenteppich. Es gab Finanzämter, die haben überhaupt keine Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt, es gab solche, die haben sieben Prozent in Rechnung gestellt, einzelne haben 19 Prozent in Rechnung gestellt. Im Prinzip geht das weiter und deswegen muss eben schnell eine Entscheidung der Politik her, das bedeutet insbesondere des Bundesfinanzministers, dass man jetzt den Regisseur genauso behandelt wie die anderen darstellenden Künstler auch.“

Der Gesetzentwurf für das Jahressteuergesetz 2013 sieht nun vor, das Regisseure und Choreografen von der Umsatzsteuer befreit werden sollen.
Nach der gesetzlichen Neuregelung wird die Umsatzsteuerbefreiung für Umsätze dieser Berufsgruppen allerdings nur gewährt, wenn sowohl den öffentlich-rechtlich geführten Theatern, Opernhäusern etc. als auch diesen gleichgestellten Einrichtungen von der zuständigen Landesbehörde bescheinigt wird , dass deren künstlerischen Leistungen diesen Einrichtungen unmittelbar dienen. Nach unserem Verständnis wäre der Inhalt dieser Bescheinigung wiederum den Regisseuren und Choreographen zu bestätigen, da es vorliegend ja um die Frage der Steuerbefreiung ihrer Umsätze geht, für die sie selbst den Nachweis der Steuerbegünstigung erbringen müssen.
„Vergessen“ hat man allerdings die Berufsgruppe der Bühnen- und Kostümbildner. In einem Aufruf wendet sich nun Prof. Hartmut Meyer der UdK Berlin, Leiter des Studienganges Bühnenbild an den Kulturstaatsminister Neumann:

Es ist richtig und wichtig und wunderbar, dass Regisseure und Choreografen vorraussichtlich ab 1.1.2013 KEINE Umsatzsteuer auf Honorare, die sie von Stadt- und Staatstheatern bekommen, zahlen müssen.
ABER: Es wurden die Bühnen-/Kostüm- und Videobildner vergessen!
Jeder, der einen Theaterbetrieb von Innen kennt, weiß, dass auch diese Fraktion „auf der Bühne“ arbeitet. Sie sind KEINE Handwerker sondern genauso wie Schauspieler und Regisseure maßgeblich an der Inszenierung und Aufführung beteiligt, als Künstler! Auch ihre Existenz ist sehr bedroht, denn ihre Honorare sind meist geringer als die von Regisseuren, ihre Fahrten und Ausgaben aber dafür z.T. viel höher (sie müssen mehr Aufträge annehmen, haben höhere Materialkosten,…).“