Editorial

Liebe DTHG Familie,

nun noch der Brücken-Lockdown.

Mit Brückentagen kann ich etwas anfangen, auch wenn man sich im Theater eher seltener daran erfreuen kann. Sie haben etwas freudiges und stehen für erholsame Tage oder den schönen-fast schon vergessenen- Ausflug mit Freunden und/oder Familie.

Der Brücken-Lockdown soll das letzte Aufbäumen zum Nichtstun vor der Impfung werden.

Wenn es nur so wäre:
Einige Theater probieren seit einem Jahr durchgehend, geleitet von der Erwartung, dass es nunmehr bald wieder losgehen soll.
Sollte nicht sein. Die Arbeit ist trotzdem getan und ich hege Zweifel, ob die Menge der geparkten Stücke jemals die Bühne des Landes erreichen wird, wenn die Vorhänge sich endgültig wieder öffnen dürfen?

Brücken bauen ist gut. Zwischen Ufern, Ländern und Menschen.
Der Brücken-Lockdown ist eher die Brücke zwischen dem gezogenen Zahn, nicht zum Beißen, aber wenigstens siehts gut aus.

Es werden zwei Brücken-Jahre werden. Das wissen wir inzwischen.
Und es wird keine Spielzeit 20/21 gegeben haben, zumindest keine die den Namen verdient.
Es wird aber viel und wenig nachhaltig an dem kurzfristigen Konzept für die letzten zwei Monate gearbeitet.

Wir brauchen eine direkte Brücke zum guten Umgang mit den Theatermenschen.
Was in den Werkstätten, den (technischen) Direktionen und auf und hinter den Bühnen an Leistung abfordert worden ist, werden wir erst wirklich beurteilen können, wenn sich der Vorhang wieder hebt.

Wir brauchen jetzt die Konzepte für eine wirklich nachhaltige Organisation der Arbeits- und Lebensbereiche der Kunst und Kultur und ihrer Orte.
Über die Brücke der zukunftsgerichteten Entwicklung möchte ich gern mit Euch gehen.

Herzliche Grüße, bleibt gesund und schnell geimpft,

Wesko Rohde

Messeabsage – Die Stage|Set|Scenery ist Geschichte

Foto: Ralph Bergel

Liebe DTHG-Familie,

die Stage|Set|Scenery ist Geschichte. Sie wird nicht verschoben. 
Die Messe Berlin hat die Zusammenarbeit aufgekündigt und sich vom Konzept verabschiedet. Endgültig. 
Auch wenn uns die Nöte verständlich erscheinen, ist diese Haltung sicher kein besonders optimistisches Signal in die Branche und sicher auch keine gute Strategie einer Messegesellschaft, die sich für die Zukunft aufstellen möchte.
Sie zeigt aber, dass reine wirtschaftliche Interessen die Inhalte von Messen bestimmen und die Potentiale dieser sich entwickelnden Netzwerkportale neuer Technologien für die klassischen Messeausrichter keine Rolle spielen.

Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Inhalte die Attraktivität einer Messe bestimmen müssen.

Messen werden wichtig bleiben, aber nicht in der herkömmlichen Form und nicht durch immer mehr vom Gleichen.
Reisen hat sich verändert. Der Informationsfluss hat sich verändert. Netzwerken hat sich verändert. 
Mit einem Mausklick kann man sich neue Technologien und innovative Produkte ansehen. Der wichtige persönliche Austausch ist aber nicht länger an die Größe der Standflächen gekoppelt. 

Die einschneidenden Veränderungen durch Corona werden ihre Spuren hinterlassen und wir glauben nicht daran, dass wir nach der Pandemie einfach zur Tagesordnung zurückkehren können und wollen.
Die Ereignisse sind auch eine Chance, die wir für die Menschen unserer Gemeinschaft nutzen möchten.  
Die DTHG sieht sich als konsequenter Vorreiter in dieser Rolle. Wir möchten nicht länger reagieren, sondern das Heft des Handelns in die Hand nehmen.

Wir werden uns daran machen, eine zeitgemäßere und zukunftorientiertere Kommunikationsplattform und neue Veranstaltungen zu erstellen.
Sie müssen unserer agilen Branche gerechter werden und Schwellen endgültig hinter sich lassen. Unsere Stärke liegt in der Grenzüberschreitung und Entdeckung. Unsere Wurzeln sind im Theater, an dem Ort, an dem technische und künstlerische Innovationen wie nirgends sonst kreativ zusammenfinden. Es ist aber nicht mehr der einzige Ort, an dem das passieren kann.
Wir werden unter aufmerksamer Beobachtung der Pandemie-Lage umgehend ein alternatives Konzept entwickeln, um im Juni den Austausch von Fachwissen, die Begegnung von Herstellern und professionellen Anwendern zu ermöglichen.
Darüber wird im Jahr 2022 die im letzten Jahr ausgefallen Bühnentechnische Tagung in Ulm nachgeholt werden.

Gemeinsame Entwicklung braucht Vertrauen. Wir bedauern, dass die Messe Berlin dieses Vertrauen nicht aufbringt. Aber wir werden das Vertrauen unserer Mitglieder nicht enttäuschen.
Danke für Eure Unterstützung.

Wesko Rohde
Vorstandsvorsitzender

Stage|Set|Scenery Night im Palais am Funkturm, 2019, Foto: Ralph Bergel.

 

Offener Brief eines Firmenmitglieds an die Messe Berlin

Sehr geehrter Herr Dr. Lederer,
Liebe Messe Berlin,

die Nachricht trifft uns als Teil der Kulturbranche unerwartet und hart. Schon nach zwei Veranstaltungen, der von der Messe Berlin unter neuem Namen mit großem Enthusiasmus übernommenen SHOWTECH attestiert man: „Trotz positiver Entwicklung ist die Veranstaltung leider hinter den Erwartungen zurückgeblieben.“ Wir bringen der Messe Berlin also zu wenig Profit…
Dazu kommt diese Absage zur Unzeit – es ist nicht nur ein Schlag, sondern eher noch ein kräftiges Nachtreten gegen die, nach einem Jahr Corona Schliessungen mittlerweile völlig entkräftet am Boden liegende Kulturbranche. Deutlicher kann man Geringschätzung nicht mehr zum Ausdruck bringen. Die völlig einfallslosen Zwangsschliessungen der Bundespolitik tun ein Übriges. Die Messe Berlin ist sicher ein eigenständiges Unternehmen und darf tun und vor allem lassen was sie will – allerdings ist die Messe Berlin dennoch ein Aushängeschild für Berlin und sicher auch ein gewisser Wirtschaftsfaktor. Es geht hier jedoch nicht nur um Geld sondern um die im Herzen getroffene Kultur.
Berlin und Kultur waren für mich bisher untrennbar miteinander verbunden. Die Stadt hat die meisten Theater, die größten Bühnen, die meisten Film- und Fernsehproduktionsfirmen und die dazu gehörenden Ausbildungszweige an den Berliner Hoch- und Schauspielschulen. Die SHOWTECH, später Stage Set Scenery hat genau die Branchen und Kulturschaffenden in ihrer Stadt zusammen gebracht. Die Messe war ‚Die Institution‘ der Branche. Wir sind auch als Firma von Anfang an jedes mal dabei gewesen. Die Messe war natürlich nicht so groß, wie eine CBit oder IFA, aber die bedien(t)en zu 90% auch nur „Laufkundschaft“, zwar mit mehr Besuchern – dagegen war bei uns das zahlenmäßig geringere Publikum durchweg hochkarätig. Es trafen sich immer die Fachplaner, die Unternehmen vom Branchenriesen bis zum kleinen Kostümschneider mit den Vertretern der bedeutendsten Kulturbetriebe aus Deutschland, Mittel- und Osteuropa bis hin zu Asien. Praktisch jeder technische Direktor/Mitarbeiter eines Theaters/Opernhauses ist schon als Student der Beuth Hochschule über unseren Messestand gelaufen…
Kultur sollte nicht profitgetrieben sein – auch wir als Unternehmen stellen den Profit nicht an die erste Stelle. Selbstverständlich ist ein neuer Bühnenboden für die Semperoper, den Friedrichstadtpalast oder die Staatsoper Berlin deutlich lukrativer als ein kleines Projekte wie das BKA Theater, irgend eine Schulaula oder Hallervordens Schlosstheater. Trotzdem bedienen wir alle mit der gleichen Leidenschaft, der selben hohen Qualität und nicht zuletzt mit unserer Liebe zum Detail. Die bloße Profitgier hat in Deutschland schon genug Schaden angerichtet; den Einzelhandel ausgedünnt und ganze Industriezweige vernichtet, geht das jetzt mit der Messe Berlin gerade so weiter?

Gruß
Kai-Uwe Patz
Geschäftsführung
Bühnenbau Wertheim GmbH

Digitale Regionaltagung der Regionalgruppe Nordost am 26.02.2021

Digitale Regionaltagung der Regionalgruppe Nordost am 26.02.2021

v. l. n. r.: Olaf Grambow, David Klamroth, Olaf Frindt.

Unter dem Motto „Wir machen das jetzt einfach mal“ fand die erste digitale Regionalgruppentagung der Regionalgruppe Nordost statt. Das Konzept basierte auf der Idee einer kompakten Veranstaltung mit 3 Themen und einer maximalen Dauer von 3 Stunden unter dem Doppeltitel:
„Regionaltagung digital – ein erster Schritt“
„Herausforderungen überwinden – anpassungsfähiges Theater!?“
Wir wollten im Rahmen eines Zoom-Meetings möglichst viele Teilnehmer begrüßen, die neben zwei Gesprächen auch die Möglichkeit bekommen sollten, im Rahmen einer Diskussion in den gegenseitigen Austausch zu kommen.

Unsere Erwartungen wurden schon vor dem offiziellen Beginn übertroffen, weil bereits 20 Minuten vor dem eigentlichen Beginn über 10 Leute im digitalen Warteraum versammelt waren. 
Der Einlass der Teilnehmer war beeindruckend, die Zahl der sich öffnenden Videofenster auf unserem großen Bildschirm wollte nicht enden. Bereits zu unserer Begrüßung konnten wir über 50 Teilnehmer verzeichnen, diese Zahl sollte auf den Höchstwert von 84 steigen, wobei auch ein Kommen und Gehen über den gesamten Verlauf der Tagung zu verzeichnen war.

Unser erster Gast und Gesprächspartner war Klaus Wichmann, mit dem wir uns über den Theaterarchitekten Joseph Furttenbach, sein Schaffen und seine Bedeutung für unsere moderne Theatertechnik unterhielten. Sicher werden viele die zugehörige Furttenbach-Ausstellung auf der im Jahr 2022 nachzuholenden BTT in Ulm mit größerem Interesse wahrnehmen.

v. l. n. r.: Klaus Wichmann, David Klamroth, Olaf Frindt.

Unser nächster Gast versprach nicht nur als neues DTHG-Vorstandsmitglied sondern auch als langjährige Redakteurin der „Bühnentechnischen Rundschau“ jede Menge interessanten Gesprächsstoff. Iris Abel konnte uns einen Eindruck darüber vermitteln, wie sie die neue Tätigkeit im Vorstand erfahren hat, welche Schwerpunkte sie in ihrer zukünftigen Arbeit sieht und mit welchen teilweise auch ungewöhnlichen Themen sich die Vorstandsarbeit darstellt.

Iris gewährte uns dann Einblicke in die Arbeit an der „Bühnentechnischen Rundschau“, für die sie seit vielen Jahren tätig ist. Auch hier eröffneten sich viele neue Perspektiven, die bestimmt nicht jedem bewusst waren. Sicherlich werden viele Teilnehmer die nächste BTR mit anderen Augen betrachten.

v. l. n. r.: Iris Abel, David Klamroth, Olaf Frindt.

Der nächste Beitrag startete mit einem vorab produzierten Film, in welchem Olaf Grambow, seines Zeichens Technischer Direktor des Deutschen Theaters äußerst anschaulich den Umgang mit Neuinszenierungen und Repertoire-Stücken, um die Spielfähigkeit sicherzustellen, darlegte. Die detaillierte Darstellung der grundsätzlichen Herangehensweise innerhalb des Deutschen Theaters und die Beschreibung der dabei zu berücksichtigenden Aspekten führten im Anschluss an die Filmvorführung zu einer intensiven Diskussion. 

Es zeigten sich unterschiedliche Auffassungen zum Umgang mit der Aufgabe, die Spielfähigkeit trotz Corona sicherzustellen. Wobei auch immer die Frage im Raum stand, inwieweit die gefundenen Lösungen am Ende den gewünschten Effekt erzielen konnten. Ein weiterer Diskussionspunkt waren die digitalen Ansätze und deren Umsetzung hinsichtlich Qualität und Nutzbarkeit für den Besucher. 

Nach gut 2 ½ Stunden waren alle Fragen gestellt und beantwortet und wir konnten auf eine, wie der Blick auf die Meinungsäußerungen im Chat bestätigt, erfolgreiche, erste digitale Regionalgruppentagung zurückblicken. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Sanela Kolb, die für uns die Moderation übernommen hat und dafür gesorgt hat, dass alle eingelassen wurden und auch ihre Diskussionsbeiträge oder Fragen stellen konnten.

Im Fazit konnten wir feststellen: 

Digitale Treffen können im Vergleich zu regulären Treffen mit einem wesentlich geringeren Aufwand organisiert werden.
Die Erreichbarkeit der Mitglieder potenziert sich, da niemand auf Reisen gehen muss. Das hatte spürbare Auswirkungen auf die Teilnehmerzahlen und das überregional.
Die Teilnehmer haben durch den Chat auch die Möglichkeit, sich auszutauschen, was vermeintlich etwas zu kurz kommt bei digitalen Veranstaltungen.
Wir sehen die Möglichkeit, bedingt durch die kompakte Form der Tagung, diese öfter durchzuführen und für die Zukunft auch über völlig neue Formen nachzudenken, wie Regionaltagungen auch nach Corona umgesetzt werden können.

Für uns war diese Tagung ein wichtiger Schritt aus der Isolation der Pandemie, in eine neue Art der Verbandsarbeit. Wir sehen uns bestärkt darin, dass dieses Format perspektivisch viele Möglichkeiten bietet, sowohl um besser zu werden als auch um gemeinsam mit den Mitgliedern weitere alternative Wege zu beschreiten.

David Klamroth und Olaf Frindt

Lisa von Meyer – neue Regionalleiterin Nord

Im Januar 2021 kam Nele Aufurth mit dem Vorschlag zur Regionalgruppenleiterin Nord auf mich zu. Wir haben die Nord AG gegründet und arbeiten als Regionalgruppenleiterinnen im Team mit Veronika Hoberg (Staatstheater Oldenburg), Benjamin Meintrup und Daniel Wolski (Staatsoper Hamburg) zusammen. Wir sind im Aufbau von einem Azubi-Stammtisch, bei dem sich die Auszubildenden der Theater untereinander vernetzen können. Ich freue mich über den Austausch mit den bekannten und noch unbekannten Gesichtern. Ich glaube Netzwerk bringt uns alle weiter.

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